Poesie 

Eine Abschiedsfeier wird häufig mit einem schönen Gedicht gestaltet.
Viele Dichter haben sich mit dem Thema Tod beschäftigt, ebenso mystisch, metaphysisch, philosophisch – wie volkstümlich, real oder persönlich.
 
Auf der Basis langjähriger persönlicher und beruflicher Erfahrungen habe ich zahlreiche Gedichte zum Thema Abschied, Sterben und Tod verfasst, von denen hier einige Beispiele zu lesen sind.
 
Gerne gestalte ich auf besonderen Wunsch auch ein ganz persönliches Abschiedsgedicht.

 

         

 

AUF EWIG VEREINT
 
Auf der großen Lebensreise
bin ich nun angekommen.
 
Ihr denkt vielleicht – auf Eure Weise,
ich bin gänzlich Euch entkommen.
 
Im realen Spiel des Lebens
hab ich das letzte Blatt gespielt.
 
Ich bin am Ende allen Strebens,
wo niemand mehr ein Leiden fühlt.
 
Die Sinne ruh’n, der Körper rastet
vom ganzen Tageseinerlei.
 
Meine Seele ist entlastet,
schwebt durch die Lüfte leicht und frei.
 
Ich überwandt des Lebens Schranken
und bin in Euch – mehr als Ihr meint.
 
In Eu’ren Herzen und Gedanken
sind wir auf ewig längst vereint.
 
 (für ältere Verstorbene)
 
Tief in mir
 
Für mich warst Du mein Sonnenschein,
warst meine Seele und mein Herz,
nun bin ich ohne Dich - allein,
und Tränen zeigen meinen Schmerz.
 
Für uns, da gab es keine Schranken,
wir fühlten uns als Sonntagskind,
in unser’n Herzen und Gedanken
waren wir eins, und das oft blind.
 
Für Dich will ich’s zusammenfassen:
ewig bist Du ein Stück von mir,
zwar bist Du fort – ich hinterlassen,
doch lebst Du weiter – tief in mir.
 

(bei großer Liebe)

 

Seemann Kuddel

 

Ein Seemann geht auf große Fahrt
das ist nun mal des Seemann’s Art.
Auch Kuddel zog es auf die See.
Er sprach zur Mutter: „Tschüß, ich geh“.
 
In Hamburg, da war er zu Haus,
von da ging’s in die Welt hinaus
sah Länder, Häfen, Mädel’s an,
traf mehrfach den Klabautermann,
 
war auf der ganzen Welt zu Gast
hat Nichts und Niemand je verpasst
und hat in vielen langen Jahren
die sieben Meere oft befahren.
 
Nach Jahren blieb er dann an Land
in Hamburg an der Waterkant,
ein Mann vom Hafen blieb er dann,
ein starker Kerl und Scheuermann.
 
Doch auch ein Seemann wird mal alt,
und beugt sich der Naturgewalt,
so schön auch seine Reisen war’n
dann sind sie nur noch Seemannsgarn.
 
Und nun ging Kuddel hochbejahrt
zum letzten Mal auf große Fahrt,
er fühlte es, und war bereit
für’s weite Meer der Ewigkeit.
 
Sein Fazit: „Ich hab’ nichts bereut,
schön war’s – es hat mich sehr gefreut.“
Wir danken ihm – das ist gewiß: 
Mach´s gut min Jung, bis bald – und Tschüß!

 

(Wunschgedicht für einen Seemann

Februar 2008)

 
 
 
 

Epilog 

 

Ein kalter Wind streift hart das Leben,

wo vorher alles leicht und schön,

mit Dir mußt’ ich mein Liebstes geben,

hab’ Dich nicht mehr, kann Dich nicht seh’n.

 

Du hast die Welt und mich verlassen,

ich spür’ Dich noch, als wenn Du bist,

ich kann es immer noch nicht fassen,

das uns’re Zeit Erinn’rung ist.

 

Dich zu haben – mein Geschick!

Dich zu lieben – war mein Glück!

Dich zu verlieren – heißt vorbei!

Dich zu vermissen – stummer Schrei!

 

(Januar 2008)

 

 

Dein 

 

Dein Tod hat mich sehr tief getroffen,

auch wenn ich es schon kommen sah,

nach allem Leiden, Bangen, Hoffen

bist Du nun nicht mehr für mich da.

 

In Herz und Seele fest verbunden

war uns’re Liebe größtes Glück,

die schönen Jahre, Wochen, Stunden –

ich denk‘ so gern an sie zurück.

 

Ich wein’ um Dich und spür im Herzen,

ich bin jetzt ohne Dich, allein,

doch trotz der Einsamkeit und Schmerzen

bleib ich bis an mein Ende – Dein.

 

(Mai 2011)

 

 
SPUREN IM SAND ...
 
Eines Nachts im Traum, ganz fern...
ging ich am Strand mit meinem Herrn.
Vom Nachthimmel erstrahlten eben,
Streiflicht-Bilder aus meinem Leben,

und jedes Mal hab ich im Sand
deutlich zwei Fußspuren erkannt,
das waren, und das sah ich gern,
die meinen – und die meines Herrn.

Als das letzte Bild im Bogen
über mich hinweg gezogen
blickte ich rückwärts und ich war
augenblicklich schreckensstarr.
 
In meines Lebens schwersten Stunden,
so hatte ich heraus gefunden,
war, und das fand ich gar nicht schön,
leider nur eine Spur zu seh’n.

Besorgt befragte ich den Herrn:
"Oh Herr, ich folgte Dir so gern.
Auf allen Straßen, Wegen, Gassen
wolltest Du mich doch nie verlassen.

Jetzt frag’ ich Dich, warum im Sand
ich dort oft eine Spur nur fand.
Warum hast du, ich kann’s nicht fassen,
mich in der Not allein gelassen?"

Drauf sprach er gütig: "Liebes Kind,
schau besser hin, sei doch nicht blind,
in Nöten und in Schwierigkeiten
war ich bei Dir – zu allen Zeiten,
 
ich liebe dich, was auch geschehen,
und – wo du nur eine Spur gesehen,
als Du nicht konntest, laß Dir sagen,
da habe ich Dich stets getragen!
 
(Für religiös orientierte Menschen)
 
Jetzt bist Du nicht mehr da!
 
Jetzt bist Du nicht mehr da!
 
Jetzt ist Dein Leben gelebt, wie Du es wolltest, und vorbei,
von dem, was Dich gefangen hielt, von dem bist Du nun frei.
 
Jetzt fehlst Du uns!
 
Jetzt können wir uns nicht mehr hören, fühlen und sehen,
können nicht mehr miteinander sprechen – und uns verstehen.
 
Jetzt sind wir ohne Dich!
 
Jetzt gibt es keine Chance mehr, sich zu ändern, zu vergeben,
Du hattest wie jeder andere nur, nur diese eine eigene Leben.
 
Jetzt hast Du Ruhe!
 
Jetzt wünschen wir Dir heute und danach dann immerzu
den Frieden Deiner Seele - und die sanfte, ewige Ruh!
 
(für Menschen in ihrer eigenen Welt)
 
Der Gevatter
 
Meistens kommt er ungelegen, ungebeten, ungewollt,
und verteilt den schwarzen Segen oftmals früher, als gesollt.
 
Niemals lässt er mit sich handeln, selten zeigt er sich kulant,
tut sich verkleiden und verwandeln und wird oft zu spät erkannt.
 
Plötzlich kam er, der Gevatter, mit der Sense in der Hand,
holte aus, ein Schnitt, ein glatter, nahm uns unser liebstes Pfand.
 
Wir mußten unser Bestes geben, hart berührt uns dieser Schmerz, doch wir wollen weiterleben – trotz der Trauer tief im Herz.

 

(bei plötzlichem Tod)

 

 

Der Regenbogen zur Ewigkeit

 
Wir suchten einen Regenbogen,
und fanden uns auf diesem Weg,
zusammen sind wir dann gezogen –
durch Feld und Flur, an See und Steg.
 
Auf dem Weg, den wir gegangen,
gab’s nicht nur eitel Sonnenschein,
doch haben Wolken auch gehangen –
zusammen war’n wir nie allein.
 
Der Wind des Lebens zog geschwinder,
die Jahre flogen schnell dahin,
es kamen Kinder, Enkelkinder –
sie gaben unser’m Leben Sinn.
 
Wir wurden müd’ vom langen wandern,
uns schmerzte oft des Tages Lauf,
ein jeder stützte längst den ander’n –
drum gaben wir die Mühsal auf.
 
Vorbei sind nun des Lebens Wogen,
vorbei sind Kummer, Sorgen, Leid,
wir fanden unser’n Regenbogen –
den weiten Weg zur Ewigkeit.
 
Fallen einst Regenbogen-Tropfen
herab zu Euch trotz Sonnenschein,
die dann an Eure Fenster klopfen –
das werden Grüße von uns sein.
 
(Wunschgedicht für ein Ehepaar
 März 2008)

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